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Alzheimer heißt mehr als nur vergessen

20.02.2012
von Sven-David Müller
Morbus Alzheimer: Das Schicksal des Fußball-Managers Rudi Assauer (68) und sein offener Umgang mit der Alzheimer-Erkrankung im Buch „Wie ausgewechselt, verblassende Erinnerungen an mein Leben“ haben diese Krankheit in das Bewusstsein vieler Menschen gerufen. Aber was ist die Alzheimer-Krankheit eigentlich? Die Gesundheitsredaktion von ellviva nimmt sich dieser Frage an und verrät Betroffenen und Angehörigen, was sie tun können, wenn der Verdacht auf Alzheimer besteht beziehungsweise wenn die Diagnose Alzheimer bereits gestellt worden ist:

Alzheimer ist eine Erkrankung des Gehirns. Diese äußert sich vornehmlich im fortschreitenden Verlust des Gedächtnisses – bis hin zur Demenz. Es gibt aber auch psychische Begleitsymptome der Alzheimer-Krankheit wie Depressionen oder Psychosen. Nicht selten verzweifeln die Betroffenen und werden zeitweise sogar aggressiv. Der deutsche Arzt Alois Alzheimer (1864 bis 1915) war der erste, der die für die Alzheimer-Krankheit typischen Proteinablagerungen im Gehirn seiner Patientin Augste Deter aus Frankfurt am Main entdeckt und beschrieben hatte. Deshalb wird die Krankheit nach ihm benannt. Die Proteinablagerungen stammen von den sogenannten senilen Plaques, die sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden. Diese Ablagerungen haben zur Folge, dass die Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn absterben. Diesen Vorgang nennt man auch Hirnatrophie. Umgangssprachlich wird Alzheimer daher auch als Gehirnschwund bezeichnet. Durch das Absterben der Nervenzellen wird der Austausch von Informationen zwischen den noch unbeschädigten Gehirnzellen gestört. Trotz großen Forschungsaufwands auf der ganzen Welt ist die genaue Ursache der Krankheit aber noch unbekannt.

Wie wird die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert?
Streng genommen kann die Diagnose nur durch eine Gewebeprobe aus dem Gehirn gestellt werden. Da das praktisch nicht möglich ist, wird die Alzheimer-Krankheit nach dem Ausschlussverfahren diagnostiziert. Das heißt, es werden alle anderen Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen. Der Gedächtnisverlust könnte zum Beispiel auch auf Ablagerungen in den Blutgefäßen, hohe Blutzuckerwerte, eine Erkrankung der Niere, Schlafstörungen, Stress oder auch eine Suchterkrankung zurückzuführen sein.

Ein MRT kann bei der Diagnose helfen
Deshalb werden die Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit zunächst anhand psychischer Tests dokumentiert und anschließend ausgewertet. Darüber hinaus wird eine vollständige körperliche Untersuchung vorgenommen. Um den Ursachen der Beschwerden auf den Grund zu gehen, wird beispielsweise das Gehirn anhand einer Kernspintomographie (MRT) untersucht. Es besteht auch die Möglichkeit, die Veränderungen an den Blutgefäßen anhand einer Ultraschalluntersuchung nachzuweisen. Insgesamt ist es sehr aufwendig, Alzheimer zu diagnostizieren. Wer mögliche Gedächtnisprobleme frühzeitig überprüfen möchte: es stehen im Internet eine Reihe von Fragebögen zur Selbsteinschätzung zur Verfügung, beispielsweise von der Gesellschaft für Gehirntraining oder dem Bundesverband für Gedächtnistraining. Sollte der Verdacht eines Gedächtnisproblems im Raum stehen, ersetzen diese Fragebögen aber keinesfalls den Arztbesuch! Je früher den Ursachen auf den Grund gegangen und eine Therapie eingeleitet wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch anschlägt. Das gilt auch dann, wenn der Gedächtnisverlust nicht auf die Alzheimer-Krankheit zurückzuführen ist.

Wie kann Alzheimer behandelt werden?
Die Alzheimer-Krankheit ist bisher nicht heilbar. Ihre Behandlung erfolgt in der Regel zweigleisig. Die Krankheit kann mit einer Reihe von Medikamenten behandelt werden, die den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen beziehungsweise deren Fortschreiten verlangsamen sollen. Dabei kommen häufig Medikamente der beiden folgenden Wirkstoffgruppen zum Einsatz:

1) Ein Cholinesterase-Hemmer sorgt dafür, dass im Gehirn mehr Botenstoffe für die durch die Alzheimer-Krankheit gestörte Signalübertagung zur Verfügung stehen. Dazu blockieren sie ein Enzym, das den Stoff Acetylcholin abbaut. Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der die Übertragung von Informationen von einer Nervenzelle zu einer anderen ermöglicht. Diese Wirkstoffgruppe kann dadurch das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verzögern.
2) Die Glutamat-Antagonisten (auch NMDA-Antagonisten) sollen nicht nur das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen. Diese Gruppe von Wirkstoffen blockiert die Wirkung von Glutamat. Dadurch soll die Übertragung von Informationen zwischen Nervenzellen wieder besser funktionieren, die durch Glutamat gestört werden. Glutamate sind bestimmte Salze. Diese kommen auch in der Lebensmittelproduktion oder der Speisenzubereitung auch als Geschmacksverstärker zum Einsatz.

Die Begleiterkrankungen behandeln und das Gedächtnis fördern

Für die Behandlung der psychischen Begleiterkrankungen stehen neben einer Psychotherapie, meistens in Form einer Verhaltenstherapie, auch eine Reihe von Psychopharmaka zur Verfügung. Zu diesen gehören beispielsweise Antidepressiva oder Neuroleptika. Antidepressiva dienen, wie der Name schon sagt, der Behandlung depressiver Verstimmungen. Neuroleptika kommen bei der Therapie von Psychosen zum Einsatz. Je weiter die Krankheit fortgeschritten ist, desto größer wird die Bedeutung weiterer nicht-medikamentöser Behandlungsverfahren. Diese werden auf die individuellen Bedürfnisse und den jeweiligen Krankheitsverlauf eines Alzheimer-Patienten zugeschnitten. Dabei wird vor allem versucht, die Gedächtnisfähigkeit durch gezieltes geistiges Training möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Das Leben mit Alzheimer
Was können Betroffene und Angehörige tun, wenn die Diagnose Alzheimer gestellt worden ist? Schließlich wirken sich die Symptome eines an Alzheimer Erkrankten nicht nur stark auf sein soziales Umfeld aus. Dieses kann auch die Lebensqualität des Betroffenen und unter Umständen sogar das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Frühzeitig nach der Diagnose sollte die Wohnung des Betroffenen umgestaltet werden. Die Türen können auch mit Schildern versehen werden, welcher Raum sich dahinter verbirgt, und der Weg zur Toilette kann optisch markiert werden. Es ist auch von großer Bedeutung, dass das Umfeld dementer Menschen möglichst stabil und mit möglichst regelmäßigen Tagesabläufen gestaltet wird. Das gibt ihnen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. In der gewohnten Umgebung können Alzheimer-Patienten ihre Selbständigkeit am besten aufrechterhalten.

Liebe und Zuwendung sind von großer Bedeutung
Für die Betroffenen ist es darüber hinaus wichtig, dass sie von ihren Angehörigen viel Liebe und Zuwendung erfahren. Das verbessert nicht nur die Lebensqualität aller Betroffenen. Ein positives soziales Umfeld kann sich auch günstig auf den Therapieverlauf eines Patienten auswirken. Den Alzheimer-Kranken selbst bleibt im Frühstadium ihrer Krankheit oftmals nur wenig Zeit, wichtige persönliche Dinge zu erledigen. Das kann eine Urlaubsreise sein, die man schon immer unternehmen wollte oder der Besuch weit entfernter Verwandter und Freunde – je nachdem, was das aktuelle Krankheitsstadium noch erlaubt.

Bürokratische Fragen
So lange es noch geht, sollten sich die Betroffenen vor allem darum bemühen, bürokratische Vorkehrungen zu treffen. Beim Fortschreiten der Demenz wird der Erkrankte nach und nach die Fähigkeit verlieren, Willenserklärungen abzugeben und selbstständig Rechtsgeschäfte zu erledigen. Anbei eine Auflistung der wichtigsten Vorkehrungen:
1) Durch eine Vorsorgevollmacht kann man einem Menschen seines Vertrauens eine Vollmacht für die Regelung seiner wirtschaftlichen und persönlichen Angelegenheiten erteilen. Das geht allerdings nur so lange, wie der betroffene Patient noch geschäftsfähig ist.
2) Die Betreuungsverfügung hat darüber hinaus den Vorteil, dass das Gericht die in einer Betreuungsverfügung geäußerten Wünsche in der Regel auch dann beachten muss, wenn sie von einem bereits Geschäftsunfähigen geäußert worden sind. In einer Betreuungsverfügung kann der Patient dem Betreuungsgericht eine Betreuungsperson vorschlagen. An diesen Vorschlag ist das Gericht grundsätzlich gebunden.
3) Bei einer Demenz erhöht sich das Unfallrisiko. Sofern das noch nicht erfolgt ist, sollte spätestens jetzt der Abschluss einer geeigneten privaten Haftpflicht- und Unfallversicherung in Angriff genommen werden.
4) Eine Patientenverfügung regelt, in welchem Umfang medizinische Maßnahmen erfolgen dürfen, wenn der Patient nicht mehr handlungs- beziehungsweise entscheidungsfähig ist. Der Adressat der Patientenverfügung ist der behandelnde Arzt.
Darüber hinaus sollte der Betroffene beim Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis beantragen sowie sein Testament verfassen. Bei Letzterem ist es am sichersten, wenn es beim Nachlassgericht oder Notar hinterlegt wird.

Was können Angehörige tun?
Auch für die Angehörigen eines an Alzheimer erkrankten Menschen stellt die Krankheit eine schwere Belastung dar. Schließlich geht sie mit dem schleichenden Verlust der Persönlichkeit eines geliebten Menschen und seiner zunehmenden Unselbständigkeit und Hilflosigkeit einher. Für die Angehörigen geht es daher darum, schon frühzeitig Entlastung und Unterstützung zu organisieren. Die Pflegeversicherung ist für die Finanzierung der Pflege von Alzheimer-Patienten zuständig. Nach dem erforderlichen Antrag auf die Leistungen der Pflegeversicherung, beurteilt der medizinische Dienst der Krankenkasse des Patienten anhand eines Hausbesuchs durch einen Gutachter die erforderliche Pflegestufe. An ihr orientiert sich die Höhe der zu erwartenden Leistung. Für die Organisation der Pflege und den Alltag der pflegenden Angehörigen stehen Beratungsstellen zur Verfügung. Dort gibt es kompetente Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer, die den Angehörigen bei persönlichen Problemen und praktischen Fragen engagiert zur Seite stehen.

Ambulanter Pflegedienst oder Pflegeheim?
Möchten der Patient die ihm vertraute heimische Umgebung nicht verlassen, können ambulante Pflegedienste je nach Pflegestufe einen Teil oder auch die vollständige Pflege übernehmen. Wenn die Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass die häusliche Pflege auch durch einen ambulanten Pflegedienst nicht mehr gewährleistet werden kann, stehen Pflegeheime zur Verfügung. Bei der Auswahl eines Betreuungsplatzes im Pflegeheim sollten Angehörige allerdings beachten, dass sich die Betreuungsqualität der einzelnen Einrichtungen deutlich voneinander unterscheiden kann. Daher empfiehlt es sich, die verschiedene Einrichtungen im Vorfeld genau in Augenschein zu nehmen und sich dort mit den Verantwortlichen über die Einrichtung aber auch die Bedürfnisse des zu Pflegenden zu unterhalten. Weitere Informationen zum Thema Alzheimer auf ellviva.de unter http://www.ellviva.de/Gesundheit/Alzheimer-SDAT.html

Das Ratgeberportal im Internet heißt ellviva

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