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Braucht ein Breitensportler Sport-Getränke?

06.02.2013
von Sven-David Müller
In den letzten 40 Jahren kamen viele spezielle Sport-Getränke auf den Markt. Diese haben sich als neue Getränke-Gruppe etabliert. Die Trinkempfehlungen wurden während dieses Zeitraums von sportmedizinischen Fachgesellschaften und Ernährungs-Wissenschaftler mehrfach grundlegend modifiziert. ellviva.de informiert und verrät, was die Hersteller von Sport-Getränken versprechen, inwieweit dies wissenschaftlich beweisbar ist und last but not least, was und wie viel Breiten-Sportler wirklich trinken sollten:

Sport-Getränke sind ein Mischung aus Trink-, Quell- oder Mineralwasser angereichert mit speziellen Mineralstoffen wie Natrium, Kalium oder Magnesium. Sie werden auch als Elektrolyt-Getränke bezeichnet, da sie den Elektrolythaushalt im Körper positiv beeinflussen können. Diese wurden ursprünglich vor allem für die Bedürfnisse von Hochleistungs-Sportlern entwickelt.

Die Versprechen der Hersteller von Sport-Getränken

Die Hersteller von Sport-Getränken argumentieren, dass ihre Erzeugnisse bei einer intensiven körperlichen Belastung von mehr als einer halben Stunde normalem Trinkwasser überlegen seien. Sie begründen dies mit den isotonischen Eigenschaften ihrer Produkte sowie mit den anderen Inhaltsstoffen, mit denen diese angereichert werden. Zu diesen gehören beispielsweise Vitamine, Traubenzucker, spezielle Aminosäuren oder Stimulantien wie Taurin und psychoaktive Drogen wie Koffein. Gleichzeitig führen die Produzenten von Sport-Getränken ihren Kunden die Gefahren eines Flüssigkeits-Verlustes beziehungsweise Elektrolyte-Mangels vor Augen. Tatsächlich kann zu wenig Flüssigkeit zu Durchblutungsstörungen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Muskelkrämpfen, Hitzschlag oder Austrocknung führen.

EU: Nur zwei Sport-Getränke dürfen sich leistungssteigernd nennen

Die Hersteller von Sport-Getränken werben damit, dass die Wirksamkeit ihrer Erzeugnisse wissenschaftlich bewiesen sei. Immerhin hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2011 sogenannte Health Claims für zwei der vielen auf dem Markt befindlichen Elektrolyt-Drinks zugelassen. Die beiden Hersteller dürfen wegen dieser Entscheidung der EFSA damit werben, dass ihre Erzeugnisse leistungssteigernd seien.

Wie steht es mit der Beweisbarkeit der Empfehlungen der Hersteller?

Die Validität vieler Studien, die die Wirksamkeit von Sport-Getränken untermauern soll, wird jedoch von einigen Forschern angezweifelt. Im Rahmen einer Meta-Analyse, deren Ergebnisse im British Medical Journal zusammengefasst wurden, hat Professor Dr. Carl Heneghan vom Centre of Evidence Based Medical Medicine der Oxford University über 100 Sport-Getränke einer eingehenden Prüfung unterzogen. Gleichzeitig untersuchte er die insgesamt 431 Versprechen der Hersteller zur Leistungssteigerung ihrer Erzeugnisse. Dabei stellte der Forscher fest, dass die Grundgesamtheit der Probanden bei nur einer der Studien größer als 100 gewesen ist. Als guter Standard gelte bei derartigen Untersuchungen eine Teilnehmerzahl von größer gleich 1.000. Nur drei der von ihm untersuchten Studien bescheinigte er einen guten Standard. Insgesamt kam der britische Wissenschaftler in der Süddeutschen Zeitung zu dem Resümee: „Die Vor- und Nachteile dieser Produkte sind nicht hinreichend belegt.“

Wie viel sollte ein Breiten-Sportler trinken?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnt ebenfalls vor den Gefahren eines Flüssigkeits-Verlustes. Sie sieht für Breiten-Sportler aber keinen Bedarf an speziellen Sport-Getränken. Ein Erwachsener hat einen Flüssigkeitsbedarf von 1,5 bis 2 Litern am Tag. Da wir nur einen Teil der Flüssigkeit über die feste Nahrung aufnehmen, heißt das, dass wir etwa 1,5 Liter dieses Bedarfs durch alkoholfreie Getränke in Form von Flüssigkeit decken sollten.

Getränke-Bedarf vor dem Breiten-Sport

Die DGE empfiehlt in diesem Zusammenhang Trinkwasser und kohlensäurearmes Mineralwasser sowie ungesüßten Früchtetee und stark verdünnte Obst- beziehungsweise Gemüsesäfte. Breiten-Sportlern wird empfohlen, vor der sportlichen Betätigung etwa einen viertel Liter Mineralwasser oder mit Mineralwasser im Verhältnis ein Teil Saft zu zwei Teilen Wasser verdünnte Säfte zu trinken. Bei einer sportlichen Aktivität von weniger als 45 bis 60 Minuten sehen sieht die DGE keine Notwendigkeit, Flüssigkeit während des Sports zu substituieren. Die Schweißverluste können nach dem Training wieder ausgeglichen werden.

Getränke-Bedarf während des Breiten-Sports

Bei einer sportlichen Aktivität von über einer Stunde rät die DGE, Flüssigkeit regelmäßig und in kleinen Mengen zu sich zu nehmen – beispielsweise in den Pausen. Fruchtsäfte gemischt mit Mineralwasser sind in diesem Zusammenhang geeignet, weil der Kohlenhydraten-Gehalt von Saftschoren ausreichend zur Stabilisierung der Blut-Glykose-Konzentration beitragen kann.

Getränke-Bedarf nach dem Breiten-Sport

Auch im Breiten-Sport müssen die durch Schwitzen entstandenen Flüssigkeitsverluste wieder ausgeglichen werden. Dazu eignen sich die bisher genannten Getränke. Alkoholische Getränke und zuckerreiche Getränke sind in diesem Zusammenhang abzulehnen. Das gilt auch für koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, da er nur teilweise in die Flüssigkeitsbilanz miteinbezogen werdenkann. Guten isotonischen Eigenschaften werden auch Kokoswasser sowie alkoholfreiem Bier beziehungsweise alkoholfreiem Weizenbier nachgesagt.

Fazit: Breiten-Sportler brauchen keine Sport-Getränke
Sport-Getränke beziehungsweise isotonische Getränke wurden in erster Linie für die Anforderungen des Hochleitungs-Sports entwickelt. Ein gesunder Breiten-Sportler kann seinen Flüssigkeits- und Mineralstoffbedarf auch ohne spezielle Sport-Getränke decken. Diese erfüllen diese Aufgaben zwar ebenfalls. Sie sind aber für einen Breiten-Sportler nicht notwendig. Andererseits stufen weder die EFSA noch die DGE Sport-Getränke bei einem sachgemäßen Verzehr nicht als gesundheitsschädlich ein.  Unter http://www.ellviva.de/Wellness/Fitness gibt es viele Informationen über Sport, Fitness und Wellness.

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