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Die Wahrheit über Lebensmittel, Ernährung und Diäten

06.09.2013
von Sven-David Müller
Es gibt die Meinung, dass das Einkaufen von Lebensmitteln so kompliziert wie ein Handy-Vertrag oder Quanten-Physik sei. Aber das stimmt nicht! Das Kleingedruckte auf der Verpackung zu verstehen ist kein Hexenwerk, aber eine Lupe braucht man manchmal. Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMLV) macht den Herstellern sogar klare Vorgaben, welche Angaben die Verpackung eines Fertigprodukts enthalten muss. Dazu gehören: die Verkehrsbezeichnung des Erzeugnisses, ein vollständiges Zutatenverzeichnis, das Mindesthaltbarkeitsdatum, die Füllmenge, die Firmenanschrift des Herstellers sowie der Verkaufspreis. Darüber hinaus steht es dem Hersteller frei, zusätzliche Angaben zu machen. Dazu zählen beispielsweise die Nährwertkennzeichnung in Tabellenform oder spezielle gesundheitsbezogene Angaben. In den meisten Fällen sprechen die Angaben auf einer Verpackung für sich. In einigen Fällen kann das Vokabular auf der Verpackung jedoch für Verwirrung sorgen. Und viele Lebensmittel lügen den Verbraucher an, denn in Bierschinken steckt beispielsweise kein Bier und im Leberkäse weder Leber noch Käse. Und machen uns kalorienreduzierte Lebensmittel wie Light-Lebensmittel oder Süßstoff tatsächlich dick oder ist das nur ein Ablenkungsmanöver der Zuckerlobby? Ellviva-Redakteur Patrick Jiranek und Medizinjournalist Sven-David Müller, MSc., klären auf. Eine der bekanntesten Lebensmittel-Mythen besagt, dass Spinat viel Eisen Das Lebensmittel Spinat enthält viel weniger Eisen als lange Zeit angenommen. Dieser Irrtum geht auf einen Rechenfehler des renommierten Physiologen Professor Dr. Gustav von Bunge (1844-1920) aus Basel zurück. Er ermittelte den Eisengehalt von getrockneten Spinatblättern. Dabei übersah er, dass Spinat im getrockneten und konzentrierten Zustand einen etwa zehnmal höheren Eisen-Anteil hat als frischer Spinat.

Was sind natürliche Aromastoffe?
In der EU wird ein Aromastoff als natürlich bezeichnet, wenn er aus Ausgangstoffen pflanzlicher oder tierischer Herkunft gewonnen wurde. Bei einem Orangensaft muss dieser also nicht zwangsläufig von der Orange kommen. Er kann auch aus anderen im Tier- oder Pflanzenreich vorhandenen Ausgangsstoffen gewonnen werden. Ein naturidentischer Aromastoff wurde nach seinem natürlichen Vorbild, in diesem Beispiel der Orange, im Labor zusammengebaut. Dahingegen ist ein künstliches Aroma vollständig eine Kreation aus dem Labor und hat kein natürliches Vorbild. Ein Beispiel ist der Stoff Ethylvanillin, dessen Aroma an Vanille erinnert. Wirbt eine Verpackung dagegen mit natürlichem Aroma, lohnt sich auf jeden Fall die Verpackung genauer zu lesen. Die Begriffe „Natur“ und „natürlich“ sind in diesem Zusammenhang nicht geschützt. Optimal sind natürliche Aromen wie beispielsweise Vanillemark, das in jedem Falle Vanillin vorzuziehen ist.

Haben Light-Produkte weniger Kalorien?
Für den Begriff Light gibt es keine gesetzliche Definition. Es handelt sich dabei lediglich um eine weit verbreitete Zusatzbezeichnung für Lebens- und Genussmittel, die einen reduzierten Gehalt an bestimmten Bestandteilen wie Alkohol, Fett oder Zucker haben. Auskunft über den Energiehalt eines Lebensmittels gibt diese Bezeichnung also nicht. Für bestimmte Begriffe gibt es jedoch Vorschriften vom Gesetzgeber. Ein kalorienreduziertes Erzeugnis muss beispielsweise mindestens 30 Prozent weniger Kalorien enthalten als die gleiche Menge eines Produkts ohne diese Bezeichnung. Ein kalorienarmes Lebensmittel darf höchstens 50 Kilokalorien pro 100 Gramm enthalten. Bei Getränken liegt der Höchstwert bei 20 Kilokalorien. Light-Produkte oder Süßstoff können also beim Abnehmen helfen. Aber schlank machen Light-Produkte und Süßstoffe natürlich nicht. Es sind schließlich keine Medikamente, sondern Lebensmittel.

Fleischkäse ist kein Käse
Fleischkäse und Leberkäse enthalten keine Milchprodukte. Bei beiden handelt es sich um eine Brühwurstspezialität. Das Wort Leberkäse hat seinen Ursprung in der bayrischen Mundart. Das dort geläufige Wort Kas oder Käs steht für ganz allgemein eine kompakte essbare Masse. Aus diesem Grund gibt es in Bayern für Quittengelee auch die Bezeichnung Quittenkas. Als Brühwürste bezeichnet man Wurstspezialitäten die durch das Brühen, Braten oder Backen von Fleisch und Speck zubereitet werden, nachdem diese Zutaten durch einen Fleischwolf gedreht worden sind. Zu den Brühwürsten gehören neben Leber und Fleischkäse auch Fleischwürste, Mortadella oder Frankfurter beziehungsweise Wiener Würstchen.

Bei der Kalbleberwurst ist die Hauptzutat Kalbsleber

Tatsächlich gibt es in Deutschland erst seit dem Jahr 2010 die Regelung, dass Kalbsleberwurst einen Anteil Kalbsleber enthalten muss. Daneben kann Kalbfleisch und Jungrindfleisch enthalten sein. Verbraucherschützer beklagen, dass einige Lebensmittelkonzerne sich häufig noch nicht an diese Vorschrift halten. Bei den auf dem Markt erhältlichen Kalbsleberwurst-Erzeugnissen ist der Anteil an Schweine- und Kalbsrohstoffen in der Regel deutlich höher als der Kalbfleisch-Anteil. Die Verwirrung komplett macht die Kalbfleisch-Leberwurst. Diese muss keinen Anteil an Kalbsleber, sehr wohl aber an Kalbfleisch oder Jungrindfleisch enthalten.

In Bierschinken ist Bier

Der Name Bierschinken kommt daher, dass diese Wurstspezialität während einer Brotzeit traditionell mit einem Bier genossen wird. Die auch unter dem Namen Schinkenwurst bekannte Spezialität wird aus gepökelten Schweine-, Geflügel- oder Rindfleisch hergestellt. Weitere Zutaten sind Speck, Kochschinken und Gewürze. Auch Teewurst enthält keinen Tee. Diese Wurstspezialität wurde in der Vergangenheit gerne zum Tee verzehrt. Das führte zur Namensgebung dieser streichfähigen Rohwurstart.

Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum?
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein auf der Verpackung aufzudruckendes Datum, die angibt, bis zu welchem Tag ein Nahrungsmittelerzeugnis bei sachgerechter Lagerung ohne wesentliche Qualitäts- und Geschmackseinbußen verzehrt werden kann. Es handelt sich nicht um ein Verfalldatum. Wird das auf der Verpackung als solches bezeichnet, darf das Lebensmittel danach nicht mehr verzehrt oder weiterverarbeitet werden.

Saft ist nicht gleich Fruchtsaft
Ein Safterzeugnis darf nur dann Fruchtsaft genannt werden, wenn der Fruchtgehalt 100 Prozent beträgt. Um Transportkosten zu sparen, ist es den Herstellern jedoch erlaubt Fruchtsaft aus Fruchtsaftkonzentrat herzustellen. Dabei wird der Frucht physikalisch Wasser entzogen und in der Kelter wieder rückverdünnt. Bei einem Fruchtnektar hängt der gesetzlich vorgeschriebene Gehalt an Fruchtmark oder Fruchtsaft von der Fruchtart ab. Darüber hinaus darf Fruchtnektar bis zu 20 Prozent des Gesamtgewichts Honig oder Zucker enthalten. Manche Obstsorten haben von Natur aus so viel Fruchtsäure, dass ein Verdünnen mit Wasser sinnvoll ist. Ein Fruchtsaftgetränk ist wie Limonade oder Cola ein Erfrischungsgetränk und unterliegt nicht der Fruchtsaftverordnung. Bei Zitrusfrüchten muss der Saftgehalt mindestens 6 Prozent und bei Kernobst mindestens 30 Prozent betragen.

Erdnüsse, Haselnüsse und Cashewnüsse sind Nüsse

Botanisch gesehen handelt es sich bei der Erdnuss um eine Hülsenfrucht Die Haselnuss ist die Knospe eines Birkengewächses.(Erderbse). In einer Hülse der Erdnuss befinden sich meistens zwei Samen. Anders als andere Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen wachsen diese jedoch unter der Erde und öffnen sich nicht. Auch die Haselnuss ist keine Nuss. Bei handelt es sich um die Knospe eines Birkengewächses. Das Gleiche gilt für die Cashewnuss, der Frucht des Nierenbaums. Im biologischen Sinne handelt es sich bei dieser ebenfalls nicht um eine Nuss, sondern einen Kern.

Helfen fettarme Erzeugnisse beim Abnehmen?

Der Hersteller darf sein Produkt nur als fettarm bezeichnen, wenn es weniger als 3 Gramm pflanzliche oder tierische Fette auf 100 Gramm enthält. Handelt es sich um ein flüssiges Lebens- oder Genussmittel, dürfen es sogar nur 1,5 Gramm Fett sein. In der Regel sind fettarme Erzeugnisse auch kalorienreduziert. Solche Produkte können ähnlich wie Light-Lebensmittel oder Süßstoff beim Abnehmen helfen.

Die Wahrheit über Fasten, Stevia und Aspartam

Unter http://www.ellviva.de/Gesundheit/Heilfasten-Risiken.html gibt es Informationen, warum Heilfasten gefährlich sein kann und warum auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor dem Fasten warnt. Die Artikel http://www.ellviva.de/Gesundheit/Stevia-Mundhygiene.html und http://www.ellviva.de/Gesundheit/Stevia-Diabetes.html klären über Stevia auf. Noch immer gaukelt die Industrie den Verbrauchern vor, dass Stevia in Produkten als Süßungsmittel eingesetzt wird. In Wirklichkeit handelt es sich um den Süßstoff Steviolglycosid. Dieser Süßstoff schmeckt unangenehm wie Lakritz und hat einen ADI-Wert, der vom Verbraucher rasch überschritten werden kann. Zum Schutz der Gesundheit sollte dies jedoch nicht geschehen. Insgesamt überwiegen bei Stevioglycosiden die Nachteile und Gefahren, denn andere Süßstoffe wie Aspartame oder Acesulfam K schmecken besser.

Buchempfehlungen: Moderne Ernährungsmärchen, Schlütersche Verlagsgesellschaft und Die dicksten Diätlügen, Schlütersche Verlagsgesellschaft

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