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Fette Zukunft: Immer mehr dicke Kinder

27.01.2012
von Sven-David Müller
Von wegen Wonneproppen: Der Anteil übergewichtiger Kinder ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Gegenwärtig sind 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig. Die Ernährungsexperten der ellviva-Redaktion haben sich mit diesem Thema befasst und verraten Ihnen, was Sie tun können, wenn Ihr Kind übergewichtig ist.

Wegen des Wachstums gelten bei Kindern und Jugendlichen andere Werte als der Body-Mass-Index. Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) empfiehlt für die Festlegung, ob ein Kind übergewichtig oder fettleibig ist, eine Einteilung, bei der jede Alterststufe je nach Geschlecht für Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Fettleibigkeit eigene Grenzwerte hat. Grafisch dargestellt ergibt jede dieser Größen eine eigene Kurve in einem Koordinatensystem. Diese Kurven nennt man Perzentil-Kurven.

Wie ermittelt man den BMI eines Kindes oder Jugendlichen?

Wer wissen möchte, ob das eigene Kind übergewichtig oder sogar fettleibig ist, kann auch den „Kinder-BMI-Rechner“ des Nestlé Ernährungsstudios zu Rate ziehen. Dazu braucht nur das Alter, das Geschlecht und die Körpergröße des betreffenden Kindes in Metern eingegeben werden. Das Ergebnis wird anhand eines roten Punktes in einem Koordinatensystem dargestellt. Liegt der Punkt auf oder unterhalb der Perzentil-Kurve mit der Bezeichnung P90, ist das Kind normalgewichtig. Liegt er darüber, ist das Kind übergewichtig. Von Fettsucht wird gesprochen, wenn der Punkt oberhalb der Perzentil-Kurve mit der Bezeichnung P97 liegt.

Ab wann zum Kinderarzt?

Liegt bei Ihrem Kind laut Perzentilkurve Fettsucht vor, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden. Fettsüchtige Kinder leiden häufig nicht nur unter Symptomen wie Bluthochdruck oder Kreislaufbeschwerden. Es besteht auch ein höheres Risiko für das Erkranken an Diabetes mellitus vom Typ 2, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie an Fettstoffwechselstörungen oder Arthrose.
Fettleibige Kinder leiden auch als Erwachsene in vielen Fällen an den Spätfolgen ihrer Fettsucht. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Ein 30-jähriger fettleibiger Mann verliert durchschnittlich 13 und eine gleichaltrige fettleibige Frau 8 Jahre ihres Lebens gemessen an der durchschnittlichen Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung.

Was kann der Arzt gegen Übergewicht tun?
Der Kinderarzt leitet gemeinsam mit den Eltern und dem Kind Maßnahmen in die Wege, die das Übergewicht senken können. Dazu gehört auch das Erstellen eines gemeinsamen Ernährungsplans. Ist das Kind übergewichtig aber nicht fettleibig, empfiehlt sich ein Arztbesuch unter den folgenden Voraussetzungen trotzdem:
•    Ihr Kind hat Bluthochdruck und / oder leidet an Diabetes mellitus vom Typ2.
•    Ihr Kind hat schon eine Vorerkrankung, die sich durch das Übergewicht verschlimmern könnte bzw. bei der das Übergewicht einer erfolgreichen Behandlung im Weg stehen könnte,  zum Beispiel wenn das Kind bereits einen hoher Blutdruck oder eine Fettstoffwechselstörung hat.
•    Ihr Kind leidet psychisch unter seinem Übergewicht
Der Arzt kann abklären, ob dem Übergewicht körperliche Ursachen zugrunde liegen sowie Schulungen für eine gesündere Ernährung und für eine sportliche Betätigung Ihres Kindes vermitteln.

Was können Eltern tun, wenn das eigene Kind fettleibig ist?

Als betroffenes Elternteil kann man vor allem zwei Dinge tun, wenn das eigene Kind von Übergewicht oder Fettsucht betroffen ist: zum Ersten für eine gesunde Ernährung sorgen und zum Zweiten das Kind zu einer gesunden Lebensweise mit viel Bewegung anhalten. Dafür ist es am besten, wenn die ganze Familie mithilft. Für die Veränderung dieser beiden Lebensbereiche ist eine feste Struktur wichtig.

Wie können die Essgewohnheiten des Kindes verbessert werden?
Prinzipiell sind mehrere kleine Mahlzeiten möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt besser als wenige große. Am besten drei Hauptmahlzeiten und dazwischen zwei kleine Zwischenmahlzeiten. Wenigstens drei Mahlzeiten pro Woche sollten gemeinsam mit der ganzen Familie eingenommen werden. Ganz wichtig ist, dass alle Beteiligten sich für dieses Ritual Zeit lassen.
Zudem gilt es, Ablenkung beim Essen zu vermeiden. Der Fernsehapparat, der Computer und ähnliche Medien haben bei den Mahlzeiten nichts verloren. Das lenkt nicht nur vom Essen ab. Es besteht auch die Gefahr, dass zu schnell und somit zu viel gegessen wird. Das liegt daran, dass sich das Sättigungsgefühl nach dem Essen nicht sofort einstellt, sondern etwas zeitverzögert.
Noch ein kleiner Trick: Wenn zu den Mahlzeiten auch Wasser gereicht wird, füllt dieses den Magen und es stellt sich schon früher ein Sättigungsgefühl ein.

Welche Nahrungsmittel sind geeignet?
Hier gilt der Grundsatz: eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung orientiert an der Ernährungspyramide.
Ganz unten stehen Getreideprodukte, Gemüse, Kartoffeln, Nudeln und Reis. Diese Lebensmittel enthalten nicht nur viele wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien. Sie bilden auch zusammen mit den Getränken die Grundlage für eine gesunde Ernährungsweise und dürfen täglich mehrfach gegessen werden. Das Gleiche gilt für Frischobst. Die Zielsetzung sollte darin bestehen, den Verzehr von Obst und Gemüse auf fünf Portionen täglich (zwei Portionen Obst, drei Portionen Gemüse) zu steigern.
Kinder zwischen ihrem vierten und zwölften Lebensjahr sollten zudem jeden Tag mindestens einen Liter Flüssigkeit trinken, am besten in Form von ungesüßten Tees, Mineralwasser oder Saftschorlen. Teenager benötigen sogar 1,5 Liter Flüssigkeit aus Getränken.
In der Mitte der Ernährungspyramide stehen tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier und Milch. Diese dürfen in Maßen etwa zwei bis drei Mal pro Woche verzehrt werden.
Ganz oben stehen diejenigen Lebensmittel, auf die ein Kind möglichst verzichten sollte, wie Süßigkeiten und Zucker. Diese werden vom Körper sofort in Energie verwandelt, wobei der Körper die nicht benötigte Energie in Fettzellen speichert. Selten sollten auch Öle und Fette auf dem Speiseplan stehen. Mehr zur Ernährungspyramide auf ellviva: http://www.ellviva.de/Familie-Kinder/Ernaehrungspyramide-Ernaehrungs-Pyramiden.html

Wie kann ich mein Kind zu mehr Bewegung motivieren?
Es gibt viele Möglichkeiten, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Statt des Fahrstuhls benutzen Kinder mit ein bisschen Ermutigung auch gerne die Treppe. Erst recht, wenn Sie dabei zu einem kleinen Wettrennen animiert werden. Wer zuerst oben ist, hat gewonnen!
Es besteht auch die Möglichkeit, den Nachwuchs mit dem Fahrrad oder zu Fuß in die Schule zu schicken, wenn das die Entfernung, das Alter des Kindes und die Witterung zulassen.
Freiraum an den Wochenenden nutzen

An den Wochenenden lässt sich mehr Bewegung noch einfacher in das Familienleben integrieren: Ob Schwimmen, Radtour, Reiten, Wandern oder Klettertour, das macht den Kleinen nicht nur Spaß, sondern verbrennt auch mehr überschüssiges Körperfett als ein Wochenende vor der Spiele-Konsole. Zudem tut die Bewegung auch dem Selbstbewusstsein des Kindes gut.
Vielleicht kommt das Kind ja auf den Geschmack und findet heraus, welche Art der Bewegung ihm am meisten zusagt und möchte sich für einen Sportverein anmelden. Viele Sportarten werden von Sportvereinen vor Ort. angeboten. Weitere Erziehungstipps finden Sie auch in dem Artikel Hilfe, ich habe ein dickes Kind!.

Das Ratgeberportal im Internet heißt ellviva

Das Ratgeberportal ellviva.de ist ein Online-Angebot mit der Kern-Zielgruppe Frauen. Themenschwerpunkte sind Gesundheit mit über 60.000 redaktionellen Seiten
( www.ellviva.de/Gesundheit ), aber auch Wellness und Schwangerschaft. ellviva setzt auf qualitativ hochwertigen und detaillierten Content, zum Beispiel zu Krankheiten und Medikamenten.

Redaktion: Patrick Jiranek und Sven-David Müller, ellviva-Redaktion

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Sven-David Müller (Medizinjournalist), MSc.
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