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Schlafmittel sind nicht ungefährlich

09.03.2012
von Sven-David Müller
Nach Angaben des Statistik-Dienstleisters Statista GmbH leiden rund 25 Prozent der deutschen Bevölkerung unter Schlafstörungen. Nicht wenige Betroffene bekommen deshalb von ihrem Arzt ein Schlafmittel verordnet. Die Resultate einer kürzlich veröffentlichten Studie des „Scripps Clinic Sleep Centers“ in Kalifornien mahnen jedoch einen sorgfältigeren Umgang mit Schlafmitteln an. Den Studienergebnissen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit vorzeitig zu versterben erhöht, wenn regelmäßig Schlafmittel eingenommen werden. Die ellviva-Gesundheitsredaktion informiert:

Für die Studie wurden die Daten von insgesamt 34.000 Personen ausgewertet. Davon nahmen 10.500 regelmäßig Schlafmittel ein. Die übrigen 23.500 Studienteilnehmer bekamen kein Schlafmittel verordnet. Aus der ersten Studiengruppe verstarben innerhalb von zweieinhalb Jahren viermal so viele Menschen wie aus der zweiten.

Die Ergebnisse der Studie wurden von Dr. Daniel Kripke, einem der an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler, im E-Book „The Dark Side of Sleeping Pills“ veröffentlicht. Der Forscher führte in Bezug auf die Untersuchungsergebnisse aus: „Die direkte Letalität ist wohl eher gering.“ Die Gründe für die großen Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsgruppen seien vielmehr indirekter Natur. In vielen Fällen seien Schlafmittel beispielsweise für die Entstehung von Depressionen mitverantwortlich. Das erhöhe die Selbstmord-Wahrscheinlichkeit. Des Weiteren könne ein Schlafmittel auch im Wachzustand die Verkehrstüchtigkeit im Straßenverkehr beeinträchtigen und somit für eine größere Unfallgefahr sorgen. Außerdem wirke sich fast jedes Schlafmittel negativ auf die Atmung, die Herzfunktion und die Verdauung aus.

Der Berliner Mediziner, Professor Dr. Ingo Fietze, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, sieht die US-Studie eher kritisch: „Wir kennen ja viele Studien, die belegen, dass Schlafstörungen generell das Sterbe- und Krebsrisiko erhöhen. Das ist nichts Neues.“ Ein Schlafmittel könne aber bei nur 20 von 100 Patienten mit Schlafstörungen den sogenannten Wohlfühlschlaf bewirken. Diesen brauche der Mensch, um krebserregende Stoffe abzubauen beziehungsweise damit sein Herz- und Kreislaufsystem sich entspannen können. Für die erhöhte Sterblichkeit könnte also auch die mangelhafte Wirkung der auf dem Markt befindlichen Schlafmittel verantwortlich sein beziehungsweise die Schlafstörungen selbst.

Auch der Regensburger Schlafforscher Professor Dr. Jürgen Zulley wertet die amerikanische Studie „vor allem als Warnung, noch vorsichtiger mit Schlaftabletten umzugehen“. Nicht medikamentöse Verfahren wie eine Verhaltenstherapie sollten immer die erste Wahl sein, wenn es um die Behandlung von Schlafstörungen gehe.

Die Gesundheitsredakteure des Ratgeber-Portals ellviva.de haben in dem Kanal „Besser Schlafen“ zahlreiche Beiträge rund um die Themen Schlaf und Schlafmedizin zusammengestellt.

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