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Therapiefall Ernährungsberatung

13.06.2007
von Sven-David Müller

Erschreckenderweise bestimmen insbesondere „ausgewiesene Nichtexperten“ wie Köche, Fitness-Gurus, Schauspieler oder Psychologen die Ernährungsinformation und Diätberatung in Deutschland, kritisiert heute Sven-David Müller vom Zentrum für Ernährungskommunikation und Gesundheitspublizistik (ZEK) in Köln.

Ständig äußern sich (Star-)Köche, Fitness-Trainer oder andere Sportexperten, von Übergewicht noch oder ehemals betroffene Prominente sowie Psychologen zu Ernährungsfragen. Eine qualifizierende Ausbildung oder das Studium der Ernährungswissenschaft können sie aber nicht vorweisen. Sogar Lebensmittelchemiker sprechen häufiger über die Ernährungsphysiologie des Menschen oder diätetische Zusammenhänge als Diätassistenten und Ernährungswissenschaftler, obwohl nur diese beiden Berufsgruppen ideale Ansprechpartner dafür sind. Oftmals kommen auch Mediziner zu Wort, die noch nicht einmal den 80 bis 100 Stundenkurs Ernährungsmedizin absolviert haben. Dass Ernährungsmedizin, Ernährungslehre oder Diätetik nicht zum Studium der Humanmedizin gehören, ist hinlänglich bekannt.

Diese missliche Situation führt dazu, dass ständig neue Skandale entstehen, Ernährungsmärchen um sich greifen und bei der Bevölkerung insbesondere Verwirrung zurückbleibt. Vergleiche machen die Dramatik dieser Situation deutlich: Das wäre so, als würden in den Medien Fleischer zu Einkommenssteuerfragen, Schornsteinfeger zu juristischen Problemen und Architekten zu Krankheiten befragt. Doch das findet nicht statt. Warum lassen wir Prominente über die Grundlagen der Ernährung sprechen, nur weil sie zuvor 16,3 Kilogramm abgenommen haben, fragt Diätassistent Sven-David Müller.

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Leider ist die Ernährungsberatung bisher rechtlich nicht geschützt, so dass jeder Ernährungsberatung anbieten darf. Menschen, die keine qualifizierende Ausbildung im Bereich Ernährung von gesunden und kranken Menschen haben, können nicht adäquat beraten. Scheinbar liegt ein Fehler im System Ernährungsberatung vor, der auch auf die extreme „Mediziner-Hörigkeit“ zurückzuführen ist. Dabei gehören Ernährung und Diätetik keinesfalls zu den Kernkompetenzen des Arztes. Mediziner sind meist nicht die richtigen Ansprechpartner, wenn es um Fragen der Ernährung von gesunden und kranken Menschen geht, denn die Kernkompetenz von Ärzten liegt hier einfach nicht. Und ein 80 bis 100-Stunden-Kurs, der Ärzte zum Ernährungsmediziner macht, wirft eher Fragen auf, als Antworten zu geben. Ärzte ohne besondere Qualifikation im Ernährungsbereich in Ernährungsfragen allein zu Wort kommen zu lassen, wäre so, als würde eine Ernährungswissenschaftlerin zu modernen Formen der Hüftgelenkoperationen Stellung beziehen. Erschreckend ist auch, dass in der Diskussion um die „Gewichtsreduktion“ inzwischen fast ausschließlich ehemals oder noch Betroffene, Sportfreaks oder andere Gurus, die ihr Geld mit einem Übergewichtskonzept verdienen, zu Wort kommen.

Inzwischen werden schon Rechtsanwälte, die sich als Personaltrainer betätigen in den Medien zu Ernährungsproblemen befragt, mokiert sich Sven-David Müller. Der Therapiefall Ernährungsberatung lässt sich auch darauf zurückführen, dass der Verbraucher oftmals von vielen falschen Informationen überschwemmt wird und durch die bewusste Schwarzmalerei, die zur Steigerung der Auflage von Büchern beliebt ist, ganz auf stur schaltet. Insgesamt sind durch Ausbildung oder Studium lediglich Diätassistenten und Ernährungswissenschaftler in der Lage, kompetent Fragen zur gesundheitsbewussten Ernährungsweise oder diätetischen Versorgung von (kranken) Menschen zu beantworten. Diätassistenten sind durch ihre dreijährige Ausbildung insbesondere im Bereich der Diätetik erfahren. Berufspolitisch vertritt der Berufsverband der Diätassistenten (VDD) die Diätassistenten. Sie kennen sich in den praktischen Belangen der Diät- und Ernährungsberatung besonders gut aus und arbeiten patientenorientiert, erläutert Müller abschließend. Buchtipps:

1) Praxis der Diät- und Ernährungsberatung, Sven-David Müller/Eva Lückerath, Hippokrates Verlag, ISBN 3830452357, 39,95 €
2) Berufspraxis für DiätassistentInnen und Diplom OecotrophologInnen, Sven-David Müller/Kathrin Scholl, Hippokrates Verlag, ISBN 3830452411, 39,95 €

Das Zentrum für Ernährungskommunikation und Gesundheitspublizistik (ZEK) mit Sitz in Köln widmet sich insbesondere der individuellen Ernährungsberatung und betreibt wissenschaftlich begründete publikumsorientierte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Ernährung, Prävention und Diätetik. Das ZEK ist ein Zusammenschluss von Ernährungswissenschaftlern, Medizinern, Diätassistenten sowie anderen Natur- und Geisteswissenschaftlern. Der bekannte Medizinpublizist Sven-David Müller leitet das ZEK und ist erster Vorsitzender des Deutschen Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik e.V. Zentrum für Ernährungskommunikation und Gesundheitspublizistik (ZEK), z. Hd. Sven-David Müller, Gotenring 37, 50679 Köln-Deutz, 0172-3854563, info@svendavidmueller.de, http://www.nutrimedic.de

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