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Wege aus der Sozialphobie

16.03.2012
von Sven-David Müller
Laut einer Studie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main leiden bis zu 13 Prozent der Jugendlichen unter einer Sozialphobie. Sie gehört zu den häufigsten psychischen Leiden im Kindes- und Jugendalter und kann auch im Erwachsenenalter anhalten. Die Gesundheits-Redakteure des Ratgeber-Portals www.ellviva.de erklären, was eine Sozialphobie ist und worin sie sich von normaler Schüchternheit unterscheidet. Außerdem geht es um die Fragen, wie eine Sozialphobie entsteht und auf welche Weise sie erfolgreich behandelt werden kann.

Was ist eine Sozialphobie?

Eine Sozialphobie ist eine besondere Form der Angststörung. Der Betroffene hat regelmäßig wiederkehrende Ängste bei der Begegnung mit Menschen. Oftmals macht sich die Angst nur in konkreten Situationen bemerkbar, zum Beispiel dem Sprechen vor einer Gruppe. Menschen mit einer Sozialphobie fürchten sich davor, von ihren Mitmenschen beobachtet, bewertet und in letzter Konsequenz abgelehnt zu werden. Besonders groß ist die Angst zu versagen beziehungsweise vor einer Blamage. Die Angst kann so stark sein, dass sie sich in äußerlich wahrnehmbaren Symptomen wie Erröten, Schwitzen oder Zittern zeigt. Die Betroffenen haben zusätzlich die Befürchtung, dass die Umwelt die Angstsymptome mitbekommt.

Wie grenzt sie sich von normaler Schüchternheit ab?
Oftmals wird Schüchternheit oder ein scheues Temperament mit einer Sozialphobie verwechselt. Nicht jeder schüchterne Mensch leidet unter einer Sozialphobie. Das ist auch dann nicht der Fall, wenn er oder sie nur noch den Kontakt mit anderen sucht, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gilt. Erst wenn die Angst so groß ist, dass die Kontaktaufnahme nur mit Hilfsmitteln wie Medikamenten durchgestanden werden kann, spricht der Psychiater vor einer Sozialphobie. Es gibt aber noch weitere Unterscheidungskriterien: Die Angst vor anderen Menschen erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahr und hat eine nachhaltige Beeinträchtigung der Lebensqualität zur Folge.

Nicht nur Schüchterne leiden unter einer Sozialphobie

Nicht nur Schüchterne können an einer Sozialphobie erkranken. Richtig ist nur, dass bei ihnen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit besteht, diese zu erleiden. Das liegt daran, dass aus dem inneren Impuls, sich von anderen Menschen zurückzuziehen, in bestimmten Fällen zunächst eine Vermeidungsstrategie und im zweiten Schritt eine wachsende Angst werden kann. Aus diesem Grund geht die Sozialphobie häufig mit einer anderen Angsterkrankung einer, der sogenannten ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung. Es gibt aber auch Menschen, die den ständigen Umgang mit anderen in den Augen ihres sozialen Umfelds souverän meistern, obwohl sie innerlich über einen langen Zeitraum immer wieder quälende Ängste durchstehen. Bei ihnen ist es in der Regel schwierig, die Sozialphobie überhaupt zu erkennen.

Was sind die Ursachen einer Sozialphobie
Zur Entstehung einer Sozialphobie können verschiedene Faktoren beitragen. Zum Beispiel wenn ein Kind in der Schule oder im Kindergarten oft gehänselt oder ein Jugendlicher im Elternhaus häufig kritisiert und gekränkt wird. Eine Sozialphobie kann auch im Erwachsenenalter auftreten, etwa als Folge von Mobbing am Arbeitsplatz. Durch wiederholte negative Erfahrungen dieser Art können, wenn sie über einen längeren Zeitraum erfolgen oder wenn sie in einer konkreten Situation das Ausmaß eines traumatischen Ereignisses annehmen, bestimmte negative Gefühle oder Erwartungen entstehen. Der Betroffenen beginnt dann, bestimmte Gedankenmuster zu entwickeln, etwa, dass die anderen „sowieso über mich lachen“, oder dass „ich uninteressanter, dümmer und schlechter bin als die anderen“. Oftmals gehen diese Gedankenmuster mit Angst einher. Wenn der Betroffene sich entscheidet, der Angst aus dem Weg zu gehen, indem er soziale Kontakte meidet, ist die Gefahr, dass eine Sozialphobie entsteht, besonders groß.

Welche Folgen kann eine Sozialphobie haben?
In den meisten Fällen liegen die Ursachen einer Sozialphobie in der Kindheit und Jugend. Lena Krebs, Psychologin und Sprecherin des Forschungsverbands „Sopho-net“, sieht bei den betroffenen Heranwachsenden Gefahren für deren persönliche Entwicklung. Mögliche Konsequenzen seien die Unfähigkeit, intime Beziehungen einzugehen, ein Schulabbruch oder der Verzicht auf eine Berufsausbildung. Entsteht die Sozialphobie erst im Erwachsenenalter, kann es passieren, dass bereits erworbene Sozialkompetenzen nicht mehr umgesetzt werden können. Das kann den Verlust von wichtigen sozialen Kontakten zur Folge haben. Darüber hinaus erhöht eine Sozialphobie das Risiko, an einer anderen Angststörung oder einer Depression zu erkranken.

Welche Behandlungsstrategien gibt es?

Eine Sozialphobie kann erfolgreich behandelt werden. Die Auswahl einer geeigneten Therapie richtet sich danach, welche Faktoren bei ihrer Entstehung überwogen haben. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird davon ausgegangen, dass die Angst auf eine fehlgeleitete Informationsverarbeitung zurückzuführen ist, durch die sie aufrechthalten wird. Ein klassisches Beispiel: Ein Schüler meldet sich in der Schule und er erhält keine Resonanz auf seine Wortmeldung. Daraus schließt er, dass die anderen ihn nicht akzeptieren und er meldet sich noch seltener zu Wort.

Kognitive Verhaltenstherapie und tiefenpsychologischer Ansatz

Generell geht es in der kognitiven Verhaltenstherapie darum, erlernte Gedanken- oder Verhaltensmuster zu identifizieren. Zu diesen gehören auch Ängste. In einem zweiten Schritt erlernt der Patient, diese Muster zu korrigieren beziehungsweise mit der Angst umzugehen. Bei einer erfolgreichen Therapie können die Patienten diese sogar verlieren. Eine andere Therapieform, die psychodynamische Kurzzeittherapie, ist mit der tiefenpsychologischen Therapie verwandt. Anders als bei der kognitiven Verhaltenstherapie wird bei den tiefenpsychologischen Ansätzen versucht, die eigentlichen Ursachen für Verhaltens- oder Gedankenmuster herauszufinden, also sozusagen das Problem an der Wurzel zu packen. Diese liegen meistens in traumatischen oder verdrängten Konflikten aus der Kindheit oder Jugend. Anschließend können Patient und Therapeut eine Strategie entwickeln, diese Konflikte aufzuarbeiten und zu überwinden. Das ellviva-Special Kein Grund zur Panik: Wege aus der Angst setzt sich intensiv mit den Wegen aus der Angst auseinander. Umfangreiche Informationen zu Angststörungen und Depressionen wurden auch in den gleichnamigen Themenüberblicken zusammengestellt: http://www.ellviva.de/Gesundheit/Depressionen.html

Das Ratgeberportal im Internet heißt ellviva

Das Ratgeberportal ellviva.de ist ein Online-Angebot mit der Kern-Zielgruppe Frauen. Themenschwerpunkte sind Gesundheit mit über 60.000 redaktionellen Seiten
( http://www.ellviva.de/Gesundheit ), aber auch Wellness und Schwangerschaft. ellviva setzt auf qualitativ hochwertigen und detaillierten Content, zum Beispiel zu Krankheiten und Medikamenten. Redaktion: Patrick Jiranek und Sven-David Müller, ellviva-Redaktion.

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