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Wenn MIH Kinderzähne zerbröseln lässt

24.06.2016
von Sven-David Müller

Milchzähne

Betroffen sind zumeist die hinteren Backenzähne, die Molaren. Die betroffenen Zähne sind an der bräunlich-trüben Färbung zu erkennen und fallen insbesondere durch ihre besonders schlechte Belastbarkeit auf. Schon bei den harmlosesten Kauvorgängen bröckeln sie wie Kreide einfach ab. Grundlegende Ursachen sind bisher kaum ausfindig gemacht. Zumindest aber scheint diese Zahndegeneration in direktem Zusammenhang mit einer mangelnden Mineralisierung der Zähne zu stehen. Kariesbakterien oder erbliche Faktoren scheinen dagegen praktisch keinen Einfluss zu haben. Denn auch Kinder mit absolut gepflegtem Gebiss und kariesfreien Zähnen können sich vor MIH nicht schützen. Mögliche Einflussfaktoren könnten etwa Umweltbedingungen wenige Wochen vor oder in den ersten drei Jahren nach der Geburt sein. Denn genau in diesem Zeitraum mineralisieren sich gesunde Zähne für gewöhnlich.

Die betroffenen Zähne sind überempfindlich und können vor allem beim Konsum von heißen Speisen und heißen oder kalten Getränken Schmerzen verursachen, da sie nicht ausreichend geschützt sind. Auch für Karies werden sie angreifbarer. Allerdings breitet sich MIH nur in den seltensten Fällen aus, was gewissermaßen positiv ist. Die Vorderen Zähne sind nicht betroffen.

Gewissermaßen verheerend ist die Tatsache, dass nicht das Kindergebiss, das in den meisten Fällen eben noch vollkommen tadellos ist, von der mysteriösen Krankheit befallen wird, sondern die bleibenden Backenzähne. Deshalb lässt sich MIH auch erst relativ spät diagnostizieren. Zurzeit steht die Vermutung im Raum, dass die mangelnde Mineralisierung der Zähne mit einer erhöhten Aufnahme des in diversen Kunstoffprodukten enthaltenen Bisphenol A zusammenhängt. Dieses könnte etwa von der Verpackung über die Nahrung in den Körper der schwangeren Frauen oder stillenden Mutter gelangen. Auch Komplikationen während der Schwangerschaft, Infektionen im Kleinkindalter oder die Einnahme von Antibiotika könnten ursächlich für MIH sein. Es bleibt also weitere Studien abzuwarten.

Wird die MIH frühzeitig erkannt, so kann der befallene Zahn oftmals noch gerettet werden. Vorsorgeuntersuchungen werden vielen Zahnarztpraxen angeboten und sollten unbedingt wahrgenommen werden. Eine Übersicht und zusätzliche Infos über die Krankheit können Sie sich zum Beispiel hier einholen. Die betroffenen Zähne werden meist mittels einer Füllung versiegelt und nur dann, wenn sie kaum mehr zu retten sind, vorerst mit einer Krone abgedeckt. Im späteren Lebensalter kann der Zahn dann beispielsweise auch gezogen werden, um den Weisheitszähnen mehr Raum zu geben.

Merkwürdig ist indes der Befund aus einigen Studien, dass vor allem Kinder aus westdeutschen Städten von MIH geplagt sind. Deutschlandweit sollen ungefähr zehn Prozent der Kinder betroffen sein, wobei es sich bei rund drei Prozent um besonders schwere Fälle handelt. Dagegen haben sich Karieserkrankungen in den vergangenen 20 Jahren um schätzungsweise 80 Prozent reduziert – ein erstaunlicher Wert. Und möglicherweise haben letztere früher die MIH schlichtweg kaschiert, sodass Zahnärzte zwischen den beiden Krankheiten nicht zu differenzieren in der Lage waren.

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