Nachricht

Gibt es eine Leber-Gallen-Diät?

31.07.2008
von Sven-David Müller
Erkrankungen wie Fettleber, Leberzirrhose oder Gallensteinleiden gehören zu den klassischen Volkskrankheiten. Diätassistent Sven-David Müller hat sich wäh-rend seiner Tätigkeit als Diätassistent am Universitätsklinikum Aachen auf die diätetische Therapie von Lebererkrankungen spezialisiert und hat jetzt sein Wissen in zwei Patientenbü-chern zusammengefasst: „Ernährungsratgeber Leber und Galle“ sowie „Köstlich essen für Leber und Galle“. Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers und hat vielfälti-ge Aufgaben in der Speicherung, dem Um-, Auf- und Abbau von Nahrungsinhaltsstoffen. Beispielsweise baut die Leber aus Eiweißbausteinen, die der Mensch mit der Nahrung auf-nimmt, körpereigenes Eiweiß (z. B. Albumin) auf. Ohne die Leber ist der Fett-, Kohlenhyd-rat- und Eiweißstoffwechsel nicht möglich. Die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit ist notwendig, um Nahrungsfett zu verdauen. Vor diesem Hintergrund ist leicht nachvollziehbar, dass bei chronischen Erkrankungen der Leber auch ernährungstherapeutische Maßnahmen in das Behandlungskonzept einzubeziehen sind. Viele Patienten mit chronischen Leberkrankhei-ten leiden unter Vitamin- und Mineralstoffmangelzuständen. Das trifft insbesondere für die Leberzirrhose zu. Hier ist insbesondere die Substitution von Zink hilfreich. Eine optimale Zinkaufnahme lässt sich durch die Kombination des lebensnotwendigen Spurenelements mit dem Eiweißbaustein (Aminosäure) Histidin erreichen. In tierischen Lebensmitteln kommt diese Aminosäure vor. Zinkhistin ist ideal für Leberpatienten, betont Müller. {mosgoogle} Die häufigste Erkrankung der Leber ist die Fettleber. Die Verfettung der Leberzellen entsteht in der Wohlstandsgesellschaft insbesondere durch Überernährung mit fett- und zuckerreicher Kost sowie Alkoholmissbrauch. Die Behandlung der weitgehend symptomlosen Fettleber besteht in einer Reduktionskost, die Alkohol und Zucker ausschließt. Auch Fruchtzucker soll-ten Menschen mit Fettleber meiden. Die akute und chronische Hepatitis ist einer Ernährungs-therapie im eigentlichen Sinne nicht zugängig. Leider ergeht auch heute noch oftmals die Empfehlung einer Hepatitisdiät. Eine solche Kostform ist wissenschaftlich nicht begründbar, und Diätpläne, die eine fettarme, eiweißreiche Kost unter Meidung von schwerverdaulichen Speisen wie Hülsenfrüchten empfehlen, sind sinnlos. Bei der Hepatitis ist es wichtig, dass die betroffenen Patienten nicht rasant an Körpergewicht abnehmen. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, dass Hepatitis-Patienten reichlich Energie, in der Regel 2500 bis 3000 Kilokalo-rien, in fünf bis sechs Mahlzeiten aufnehmen. Es ist nicht notwendig, eine fettreduzierte Kost einzuhalten. Eine „Quarktherapie“ ist abzulehnen. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn die Hepatitis zu einer Leberzirrhose mit hepatischer Enzephalopathie geführt hat. Gallensteinleiden sind bei Menschen, die übergewichtig sind, häufiger zu diagnostizieren als bei normalgewichtigen. Die Gallenflüssigkeit, die reich an Cholesterin ist, ist für die Fettver-dauung notwendig. Lediglich MCT-Fette (mittelkettige Triglyzeride) können ohne Gallen-flüssigkeit verdaut werden. Oftmals bilden sich nach der Entfernung von Gallensteinen erneut Gallensteine. Dies ist auch durch Ernährungsmaßnahmen zu verhindern. Dafür ist es erforder-lich, eine ballaststoffreiche, cholesterin- und relativ fettarme Kost einzunehmen. Bei Gallen-steinen ist es nicht erforderlich, eine strenge Schonkost einzuhalten. Ballaststoffe, insbesonde-re wasserlösliche, binden die Gallensäuren der Gallenflüssigkeit und beugen so der Steinbil-dung vor. Besonders viele wasserlösliche Ballaststoffe sind in Psyllium, einer indischen We-gerichart, enthalten. Die Samenschalen dieser Wegerichart heißen Plantago-ovata-Samenschalen. Bei der Leberzirrhose beginnt die diätetische Therapie erst, wenn die Zirrhose in die dekom-pensierte Form übergangenen ist. Zuvor sollte lediglich eine Eiweißmast und eine Eiweiß-mangelversorgung vermieden werden. Die Diätetik bei dekompensierter Leberzirrhose ist abhängig von der jeweiligen Symptomatik. Beim Vorliegen eines Ascites (Bauchwassersucht) sollte die Kost salzarm sein und wenig Flüssigkeit aufgenommen werden. Bei der hepatischen Enzephalopathie ist die Einhaltung einer eiweißreduzierten Kost mit 0,6 bis 0,8 Gramm Ei-weiß pro Körperkilogramm (70 kg = 42 bis 56 Gramm Eiweiß täglich) erforderlich. Um keine Körpersubstanz abzubauen, muss die Energiezufuhr über eine fett- und kohlenhydratreiche Kost mindestens 2500 Kilokalorien enthalten. Um die Eiweißversorgung und die Energiebi-lanz zu verbessern, sollten alle Leberzirrhotiker mit hepatischer Enzephalopathie verzweigt-kettige Aminosäuren (VKAS) vom Arzt verordnet bekommen. Diese Aminosäuren verbessern den Ernährungsstatus und behandeln die hepatische Enzephalopathie. Da VKAS nicht zur Vergiftung und Steigerung des Ammoniakspiegels führen, werden sie zusätzlich zur normalen Nahrungs-Eiweißtoleranzmenge mit mindestens 0,2 Gramm pro Körperkilogramm (70 kg = 14 Gramm VKAS täglich) verabreicht. Ein ideales Lebertherapeutikum aus dem Bereich der nutritiven Medizin enthält verzweigtkettige Aminosäuren, L-Ornithin, Taurin, die B-Vitamine 1, 2 und 6, Vitamin C sowie gegebenenfalls Artischocke (beispielsweise Hepabolan A&T). Insgesamt betrachtet gibt es keine für alle Lebererkrankungen gültige Ernährungsempfehlung. Die Diätetik muss erkrankungsorientiert vom Arzt verordnet und vom Diätassistenten berech-net werden. Die diätetische Beratung durch erfahrene Diätassistenten ist insbesondere bei Leberzirrhose erforderlich und sehr hilfreich. In seinen Patientenbüchern beschreibt Sven-David Müller die Erkrankungen und gibt viele Rezeptideen, die Leber und Galle gut tun. Bibliografische Daten: Ernährungsratgeber Leber und Galle, Sven-David Müller und Christiane Weißenberger, Ver-lag Schlütersche, ISBN 3899935497, 12,90 Euro Köstlich Essen für Leber und Galle, Sven-David Müller und Christiane Weißenberger, TRIAS Verlag, ISBN 3830432933, 19,95 Euro Die Bücher können zur Rezension unter diaetmueller@web.de oder direkt beim Verlag Schlü-tersche (rheinlaender@schluetersche) oder dem Hippokrates Verlag bestellt werden. Das Zentrum für Ernährungskommunikation, Diätberatung und Gesundheitspublizistik (ZEK) mit Sitz in Berlin-Charlottenburg widmet sich insbesondere dem Ernährungscoaching und betreibt wissenschaftlich begründete publikumsorientierte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Bereichen Ernährung, Prävention, Diätetik und Gesundheit. Das ZEK ist ein Zusammen-schluss von Ernährungswissenschaftlern, Medizinern, Diätassistenten sowie anderen Natur- und Geisteswissenschaftlern. Der Ernährungs- und Medizinpublizist Sven-David Müller leitet das ZEK. Zentrum für Ernährungskommunikation, Diätberatung und Gesundheitspublizistik (ZEK), Sven-David Müller, Wielandstraße 3, 10625 Berlin-Charlottenburg, Telefon 030-74780900, 0172-3854563, diaetmueller@web.de, http://www.svendavidmueller.de

Zurück

© All rights reserved